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Resistenzen bei Candida auf dem Vormarsch

Pilze der Gattung Candida sind für bis zu ca. 90 % aller invasiven Pilzerkrankungen verantwortlich.1 Die Zunahme resistenter Candida-Stämme stellt dabei eine zunehmende Herausforderung in der Behandlung dar. Wie ist die aktuelle Lage?

Risikofaktoren für Resistenzen

Invasive Pilzinfektionen stehen in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten bakterieller Infektionen. Gleiches gilt für die Resistenzentwicklung gegen wirksame Therapien. Dabei ist auch bei invasiven Pilzinfektionen wie z. B. durch Candida-Spezies eine zunehmende Resistenzentwicklung zu beobachten.2 Haupttreiber für Resistenzen ist eine Exposition mit Antimykotika. Entsprechend wichtig ist eine frühzeitige Diagnose bis auf Spezies-Ebene mit Empfindlichkeitstestung und der zielgerichtete Einsatz der verfügbaren Therapien.2

Welcher Erreger ist am häufigsten?

Nach wie vor ist C. albicans der häufigste Erreger invasiver Candida-Infektionen. In einigen Kliniken wird allerdings ein zunehmender Erregerwechsel hin zu Nicht-albicans-Candida-Arten beobachtet.3 Laut der deutschen S1-Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Candida-Infektionen aus dem Jahr 2020 sind die häufigsten Erreger:3

  • C. albicans (58,5 %)
  • C. glabrata (19,1 %)
  • C. parapsilosis (8,0 %)
  • C. tropicalis (7,5 %)

Aktuelle Studie bestätigt Verteilung

Diese Verteilung stimmt in etwa mit der beobachteten Häufigkeit in der aktuellen Candida-III-Studie für Deutschland überein (3 teilnehmende Zentren, 31 untersuchte Isolate).4 Zusätzlich wurden in dieser Studie die Arten C. dubliniensis (ca. 10 %) und C. kefyr (ca. 3 %) nachgewiesen.4 Weitere in Deutschland relevante Stämme sind laut Leitlinie der PEG/DMykG* C. krusei, C. lusitaniae oder C. guilliermondii.3 Allerdings ist die relative Erregerhäufigkeit bei einzelnen Risikogruppen unterschiedlich und schwankt zwischen einzelnen Kliniken und geographischen Regionen.3

* Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie e.V. und Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft e.V.

Insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit hämatologischen Neoplasien ist deutlich häufiger mit Nicht-Candida-albicans-Erregern (z. B. C. glabrata, C. tropicalis) zu rechnen, als bei Betroffenen mit soliden Tumoren oder auf einer chirurgischen Intensivstation.3

Resistenzen vor allem bei nicht Candida Albicans-Erregern

C. albicans ist intrinsisch sensitiv gegenüber den verfügbaren systemischen Antimykotika.5 Nichts desto trotz kann auch C. albicans bei längerer oder wiederholter Therapie mit Antimykotika Resistenzen entwickeln (z. B. bei rezidivierenden oralen-, ösophagealen oder vulvovaginalen Candidosen).5
Im Gegensatz dazu weist ein Großteil obiger Candida-Stämme eine intrinsische Resistenz gegenüber bestimmten Substanzklassen auf.2 Zudem lässt sich derzeit eine Entwicklung von Kreuzresistenz (Resistenz gegenüber mehreren Vertretern einer Substanzklasse) hin zur Multiresistenz beobachten.2

    C. glabrata besitzt intrinsische Heteroresistenz (Resistenz einer Subpopulation an Bakterien vor dem ersten Kontakt mit Antimykotikum) gegenüber Azolen und kann eine stabile Resistenz gegenüber Azolen und Echinocandinen unter Antimykotika-Exposition ausbilden.2 Laut Leitlinie hat etwa ein Drittel aller Isolate eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Fluconazol und anderen Azolen. Ein weiteres Drittel ist resistent mit variabler Kreuzresistenz gegenüber anderen Triazolen.3
    In der kürzlichen Auswertung der Candida-III-Studie zu Epidemiologie und Resistenzentwicklung war keines der untersuchten Isolate (n = 89) sensitiv gegenüber Fluconazol.4 88 % der Stämme hatten eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Fluconazol, 12 % waren resistent. 7 % der Stämme waren resistent gegenüber Voriconazol. Resistent gegenüber einem Echinocandin (Anidulafungin oder Micafungin) waren 3 Isolate.4

      C. parapsilosis hat im Vergleich zu C. albicans eine intrinsisch reduzierte Empfindlichkeit gegenüber Echinocandinen.2 Resistent gegenüber Anidulafungin oder Micafungin waren in der Candida-III-Studie insgesamt 4 Isolate (Anidulafungin 1, Micafungin 3). 17 % der Isolate waren resistent gegenüber Fluconazol, 7 % waren resistent gegenüber Voriconazol.
      Die zunehmende Azol-Resistenz in Kombination mit der intrinsisch reduzierten Echinocandin-Empfindlichkeit könnte laut der Autorenschaft auf ein Potential für Multiresistenz bei dieser Art hindeuten.4

        Laut der deutschen S1-Leitlinie zur Diagnose und Therapie von Candida-Infektionen ist C. tropicalis gegenüber allen systemisch wirksamen Antimykotika in vitro empfindlich.3 Lediglich für Fluconazol wird eine mögliche verminderte Empfindlichkeit angegeben.3
        In der Candida-III-Studie wurde in Deutschland ein Fluconazol- und Voriconazol-resistenter C. tropicalis-Stamm isoliert. 4

        Sonderfall Candida auris

        C. auris kann im Gegensatz zu anderen Candida-Arten effizient über direkten und indirekten Kontakt übertragen werden und daher zu nosokomialen Ausbrüchen führen.6 Global sind über 80 % der Isolate resistent gegenüber Fluconazol und es wurden mehrfach Resistenzen gegenüber Echinocandinen nachgewiesen.6 Eine aktuelle Publikation im deutschen Ärzteblatt analysierte die Resistenzen der seit 2015 in Deutschland registrierten Fälle (n = 43, laut Autorenschaft ist von einer Untererfassung auszugehen):6

        • 80 % der Isolate waren resistent gegenüber Fluconazol.
        • Die MHK (minimale Hemmkonzentration) aller Stämme für Amphotericin B lag zwischen 0,5 – 2 µg/ml.
        • Ein Isolat wies eine Echinocandin-Resistenz auf.6

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        Fragen und Antworten zur Infektiologie

          1. Delaloye J, Calandra T. Invasive candidiasis as a cause of sepsis in the critically ill patient. Virulence. 2014;5(1):161-169.
          2. Paiva JA, Pereira JM. Treatment of invasive candidiasis in the era of Candida resistance. Curr Opin Crit Care. 2023;29(5):457-462.
          3. S1 Leitlinie Diagnose und Therapie von Candida Infektionen, AWMF-Register Nr. 082/005, verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/082-005l_S1_Diagnose-Therapie-Candida-Infektionen_2020-09.pdf abgerufen am 29.11.2023.
          4. Arendrup MC et al. European candidaemia is characterised by notable differential epidemiology and susceptibility pattern: Results from the ECMM Candida III study. J Infect. 2023;87(5):428-437.
          5. Gow NAR et al. The importance of antimicrobial resistance in medical mycology. Nat Commun. 2022;13(1):5352.
          6. Aldejohann AM et al. Anstieg von Candida-auris-Fällen und erste nosokomiale Übertragungen in Deutschland. Dtsch Arztebl International. 2023;120(27-28):477-478.

          Job Code: DE-RZF-2300027 | Prepared: September 2023